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ALGERIEN

              

Basisdaten

            

 

Fläche 

2,4 Mio. qkm

Einwohner

36 Mio. (2008)

Bevölkerungsdichte

14 Einw./qkm

Bevölkerungswachstum

1,2% (2008)

Geschäftssprachen

Arabisch und Französisch

Rohstoffe agrarisch

Weizen, Zitrusfrüchte, Datteln, Gemüse, Wein

mineralisch

Erdöl, Erdgas, Eisen, Phosphate, Zink, Blei

Mitgliedschaft in internationalen Wirtschaftszusammenschlüssen

OUA, ECA, FAO, OPEC, OAPEC

Währung Bezeichnung

Algerischer Dinar (DA); 1 DA = 100 Centimes (CT)

Wechselkurs

Mai 2010: 1 US$ = 72,86 DA; 1 Euro = 89,82 DA

Jahresdurchschnitt

2009: 1 US$ = 70,58 DA; 1 Euro = 96,64 DA

           

Wirtschaftslage

           

 

 

Bruttoinlandsprodukt (BIP, nom.) (Mrd. DA)

2004: 6.127; 2005: 7.499; 2006: 8.391; 2007: 9.514; 2008: 10.783; Gesamt-BIP 2009: 128,59  Mrd USD

(Mrd. US$)

2004: 85,0; 2005: 102,1; 2006: 113,9; Prognosen 2007: 125,9; 2008: 139,4  Gesamt-BIP 2009: 128,59  Mrd USD

BIP je Einwohner (US$)

2004: 2.627; 2005: 3.102; 2006: 3.400; Prognosen 2007: 3.702; 2008: 4.042; 2009: 3.640 USD.

            

Geographie und Bevölkerung

               

Algerien, im Nordwesten Afrikas gelegen, ist der Fläche nach mit 2,39 Mio. qkm nach Sudan der zweitgrößte Staat Afrikas. Die maximale Ost-West-Ausdehnung beträgt ca. 1.800 km und die größte Nord-Süd-Ausdehnung ca. 2.100 km . Die Grenzen Algeriens sind im Norden das Mittelmeer (ca. 1.200 km Küstenlänge), im Westen Marokko und das Gebiet der Westsahara, im Südwesten Mauretanien, im Süden Mali und Niger, im Osten Tunesien und Libyen.

 

Algerien zählte im Jahr 2008 knapp 36 Mio. Einwohner. Im Jahr 2050 wird mit 50 Mio. Einwohnern gerechnet. Die Verteilung der Bevölkerung weist starke regionale Unterschiede auf. Über 90% der Bevölkerung sind im Norden Algeriens angesiedelt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte lag Mitte 2001 bei 12,9 Einwohner/qkm. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag 2009 bei 74,8 Jahren (2000: 72,5), für Männer bei 72 und für Frauen bei 76 Jahren. Das Bevölkerungswachstum lag 2009 bei 1,2%. Bis 2030 wird ein Rückgang auf 0,9 % erwartet. Knapp 70% der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Für das Jahr 2000 wurde die Zahl der Haushalte bereits mit 4,7 Mio., die durchschnittliche Personenzahl pro Haushalt mit 6,47 angegeben. Legt man diese Zahl für die jetzige Bevölkerungszahl von 36 Mio. Menschen zugrunde, kommt man auf derzeit über 5 Mio. Haushalte. Für 2030 wird ein Anstieg auf 12,5 Mio. Haushalte mit jeweils durchschnittlich 3,6 Personen erwartet.

 

Die überwiegende Zahl der Städte Algeriens liegt in den Küstengebieten des Landes. Nahezu 65% der Bevölkerung leben in den Küstenstädten auf 4% des nationalen Territoriums. Wie bei den meisten Entwicklungsländern war in den letzten Jahren ein starker Urbanisierungsprozess festzustellen. Ursache der Landflucht in den vergangenen 15 Jahren sind die Verschlechterung der sozialökonomischen Bedingungen und vor allem der Terrorismus. Es erfolgte keine planmäßige Stadtentwicklung und auch die landwirtschaftlich fruchtbaren Küstenböden wurden zersiedelt. In den zurückliegenden Jahren hat sich der Anteil der städtischen Bevölkerung auf 59% erhöht, im Jahre 1966 betrug dieser noch gut 30%. Bei anhaltendem Bevölkerungswachstum werden sich um das Jahr 2025 rd. 80% der Bevölkerung in den Städten konzentrieren, geht aus Studien hervor.

 

Die Hauptstadt Algier hat mit Vororten über 3 Mio. Einwohner; weitere bedeutende Städte sind Oran, Batna, Setif, Annaba und Constantine.

 

Wirtschaft

 

Mit einem Bruttoinlandsprodukt i. H. v. ca. 128,59 Mrd USD war Algerien  2009 die drittgrösste Volkswirtschaft Afrikas. 2007 bei über 137 Mrd. liegen. Das BIP stieg in einem Zeitraum von 5 Jahren um über 100 % auf 3150 USD pro Einwohner im Jahr 2005, 2006 stieg es auf 3600 USD und lag 2009  bei  3640 USD.

 

Bereits 2003 hatte Algerien mit 6,8 % das grösste Wirtschaftswachstum in der MENA Region. Der IWF  geht von einem konstanten Wachstum für die nächsten Jahre von 5 bis 6 %.

 

Die Devisenreserven betrugen im Januar 2009 ca. 144 Mrd. USD, während sie 2007 noch 75 Mrd USD betrugen. Gleichzeitig werden die Schulden kontinuierlich abgebaut. Von 23 Mrd. USD in 2003 sind die Schulden auf unter 4 Mrd. USD abgebaut worden. Während die Schulden 2002 noch 40% des BIPs betrugen, betragen sie heute lediglich 5 %.

 

Die Haupteinnahmen des Landes resultieren nach wie vor aus dem Export von Erdgas und Erdöl. Sie umfassen  knapp 98% der algerischen Exporte.

 

Gleichzeitig ist aber auch der Privatsektor gewachsen. Bereits 2003 wurden entsprechend algerischer Statistiken 70 % des BIP-Wachstums vom Privatsektor erwirtschaftet. Die Tendenz ist steigend.

 

IWF sowie ausländische und inländische Experten gehen davon aus, dass die makroökonomischen Daten sich weiterhin positiv entwickeln. Dies wird nicht zuletzt auch durch die nachhaltige Stabilisierung der Sicherheitslage begünstigt.

 

Für den Zeitraum 2010 bis 2014 legte die algerische Regierung ein Wirtschaftsförderprogramm in Höhe von 140 Mrd. USD auf. Dieses Programm, das vollständig aus eigenen Mitteln finanziert wird,  teilt sich in fünf Teilbereiche. Knapp 20 Mrd. Euro sind allein fuer den ersten grossen Teilbereich „Verbesserung der Lebensbedingungen“ vorgesehen worden. U. a. sollen 1,2 Millionen neuer Wohnungen und 1500 Schulen und Universitäten  gebaut werden.

                                                                                                             

Wohnungsbau (Neubau von 1,2 Mio. Wohnungen)

5 550

Modernisierung der Universitäten

(Erhöhung der Studienplätze und Mensen)

1 410

Bau von Schulen (ca. 1500 Projekte)

2 000

Ausbildungs- und Berufsförderung

585

Ausbau und Verbesserung des öffentlichen Gesundheitssystems

(212 Projekte)

850

Modernisierung des Wasserversorgungssystems

(u. a. 1 280 Sanierungsprojekte)

1 270

Regionale Entwicklungsfonds

4 500

Auf- und Ausbau des Elektrizitäts- und Gasversorgungssystems

655

                                                

Alle Angaben in Mio. €

                         

Ein weiterer wichtiger Teilbereich ist der Ausbau der Infrastruktur. Hierfür sind ca. 17 Mrd. Euro vorgesehen

Schwerpunkte sind der Ausbau des öffentlichen Transportsystems die Sanierung und Neubau von Bahnhöfen, Straßenbahnen, ca. 5100 km Bahnstrecke, 1200 km Autobahn  sowie der Ausbau des Wassersystem. Grosse Ausschreibungen mit Beteiligung deutscher Unternehmen  bzgl. der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung der Grossstädte Annaba, Constantine und Oran laufen zurzeit.

 

Weitere Teilbereiche sind die Wirtschaftsförderung, die Modernisierung des öffentlichen Sektors sowie die Entwicklung neuer Technologien.

 

In der algerischen Aussenhandelsbilanz standen 2009 Importe i. H. v. 39,1 Mrd Exporte in Höhe von . USD 43,6 Mrd. USD gegenüber. Hieraus resultiert ein Handelsbilanzüberschuss von 4,5 Mrd. USD. 

Auch der deutsch-algerische Aussenhandel hat sich in den letzten Jahren sehr schnell und positiv entwickelt.

 

Deutschland war  2009 nach Frankreich, China, Italien und Spanien fünftwichtigster Lieferant Algeriens. Während die französischen Exporte um 6,1 % sanken, konnten die deutschen Exporte um 12,4% gesteigert werden und betrugen 2009 2,7 Mrd. USD.

  

Internationales Abkommen

 

Die positive Entwicklung Algeriens wird durch das Inkrafttreten verschiedener bilateraler und multilateraler Abkommen begünstigt. Das EU-Assoziierungsabkommen ist am 1.September 2005 in Kraft getreten.  Warengruppen können seitdem zollfrei nach Algerien importiert werden. Für andere Produktgruppen sollen die Zollsätze schrittweise reduziert werden. Ziel ist die Schaffung einer Mittelmeer-Freihandelszone.

 

Wichtig auf bilaterale Ebene ist das Deutsch-Algerische Investitionsschutzabkommen sowie das in Januar 2009  in Kraft getretene Deutsch-Algerische Doppelbesteuerungsabkommen.

 

Weiterhin sind auf internationaler Ebene folgende Abkommen für die Erhöhung der Rechtssicherheit für Investitionen und Handel in Algerien hervorzuheben:

 

New Yorker Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche

 

Washingtoner Übereinkommen zur Beseitigung von Investitionsstreitigkeiten sowie das Übereinkommen zur Errichtung der multilateralen Investitionsgarantie-Agentur (MIGA-Übereinkommen vom 11.10.1985)

 

Der Beitritt Algeriens zur WTO wird im Jahr 2007 erwartet.

 

Geschäftsperspektiven für die deutsche Wirtschaft

 

Gute Perspektiven für die deutsche Wirtschaft ergeben sich  insbesondere vor dem Hintergrund der Transport-, Infrastruktur- und Wohnungsbauprojekte. Weiterhin besteht enormer Nachholbedarf  an Maschinen und Industrieausrüstungen in Algerien. Dieser  Bereich hatte 2006 bereits mit 39,5 % der Gesamtimporte eine Spitzenposition. Hervorzuheben ist die geplante Modernisierung und Ausbau bestehender Industriekomplexe im Rahmen des Wirtschaftsförderungsprogrammes 2010 - 2014. In den 70er und 80er Jahren wurde ein Grossteil dieser Komplexe mit deutschem Know-how errichtet wurden. Das “Made-in-Germany“ genießt in Algerien nach wie vor ein sehr hohes Ansehen.

 

Ein grosses Potential bietet auch der Chemiesektor: Gute Perspektiven ergeben sich hier vor allem in der Pharmasparte, da Algerien 70 – 80% seiner Medikamente importiert (Importe im Jahr 2006: ca. 1,1 Mrd. USD) und in der Petrochemie: 8 Projekte im Bereich Petrochemie (u. a. Methanol, Ammoniak, Melamin , Harnstoffe etc.) ca. 8 Mrd. USD Ausschreibungsvolumen.     

 

Auch der Gesundheitssektor (insbesondere Medizintechnik) entwickelt sich rasant.  Bis 2014: 60 neue Krankenhäuser, 70 neue Polykliniken, 100 neue Gesundheitszentren gebaut werden.

 

Seit Jahren ist der Informations- und Telekommunikationssektor einer der Wachstumsmotoren in Algerien. 18,5 Mio. Mobilfunkkunden und Wachstumsraten  von 102 % im Jahr 2005 und  237% in 2004 sprechen von der Bedeutung der Branche für die algerische Wirtschaft.

 

Stahl- und Eisenimporte hauptsächlich für den Baubereich sind um 77% gestiegen.

 

Weitere Zukunftssektotren sind die Nahrungsmittelindustrie einer der Hauptmotoren des algerischen Wirtschaftswachstums,  sowie der Konsumgüterbereich

 

Motor der algerischen Wirtschaft ist nach wie vor der Energiesektor.

 

Algerien ist zweitgrösster Flüssiggasproduzent der Welt, die drittgrößter Erdgasproduzent der Welt und ist 11. grösster Erdölproduzent.

 

Bis 2010 sollen 33 Mrd. Euro im Energiesektor investiert werden. Ein Viertel soll von ausländischen Investoren aufgebracht werden. Etwa 20 Mrd. US-Dollar werden in die Exploration und Förderung von Öl- und Gas gehen, für den Aufbau einer petrochemischen Industrie sind weitere knapp 7 Mrd. US-Dollar eingeplant, der Rest fließt in den Aufbau von Transportkapazitäten. 

 

Die Erdöl- und Erdgasexporte sind um 15% gestiegen. Rund drei Viertel der Einnahmen im Staatshaushalt kamen 2006 aus der Energiebranche. Algerien will die Produktion von Erdöl und Erdgas massiv ausbauen. Die Ölförderung soll von derzeit 1,35 Mio. Barrel pro Tag auf 2 Mio. Barrel pro tag im Jahr 2010 steigern. Im Erdgasbereich  sollen im Jahr 2015 bis zu 115 Mrd. cbm Erdgas ins Ausland verkauft werden, derzeit sind es 65 Mrd. cbm. Die Gasreserven des Landes sind noch kaum erschlossen, Geologen beziffern die nachgewiesenen Reserven auf 4.580 Mrd. cbm, damit verfügt Algerien über die fünfgrößten Lagerstätten auf der Welt.

 

Großes Geschäftspotenzial für die deutsche Wirtschaft  besteht vor allem im Bereich des Anlagenbaus, der Exploration und als Zulieferer von Komponenten sowie als Dienstleister für den Energiesektor.

 

Ein weiterer Zukunftssektor ist der Bereich der Erneuerbaren Energien.

 

Bis 2020 rechnet man mit einer Verdoppelung des Energieverbrauchs in Algerien.

 

Ziel bis  2010 ist die Produktion von 500 MW Solarenergie, bis 2015 sollen es 1000 MW - mit einer Exportmenge von 400 MW sein.

 

Laut Erklärungen des algerischen Energieministeriums  beabsichtigt  Algerien 5 % der Elektrizitätsproduktion durch erneuerbarere Energien zu decken. Schwerpunkt ist hier die Solarenergie.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen für Investoren

 

Nach dem Loi des Finances complémentaire 2009 können ausländische Investoren grds. nur noch mit 51% algerischer Beteiligung in Algerien gründen.  

 

Seit 2004 existiert ein neues Wettbewerbsrecht, ein neues Gesetz zum Gewerblichen Rechtsschutz  sowie ein Gesetz zum Schutz des geistigen Eigentums. Das Devisenkontrollrecht wurde vereinfacht. Kompetenzen der algerischen Zentralbank wurden auf algerische Geschäftsbanken übertragen. Gewinne ausländischer Investoren können unter Einhaltung bestimmter Bedingungen transferiert werden.

 

Das algerische Industrieministerium sieht den Bedarf Algeriens bis 2010 an nationalen und ausländischen Investitionen ausserhalb des Kohlenwasserstoffsektors bei rd. 6 Mrd. Euro.

 

Ausländischen Direktinvestitionen haben in den letzten Jahren beständig zugenommen.

 

Die wichtigsten deutschen Investitionen sind die von Investitionen Henkel, Linde, DHL, Messer, Siemens, ZF, Knauf, Dywidag, BASF und  Jokey Plastik.

 

 

 

 

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